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Wein und Schein

Man möchte "Wine Country" unbedingt gut finden. Denn stellt euch vor, Leslie Knope und Liz Lemon und Bronx Beat etc., in Filmlänge, und dazu noch Maya Rudolph und ein paar andere Frauen, die man aus Nebenrollen oder SNL kennt. Trailblazerinnen! Auf Netflix! Hello, guilty pleasure!

 

Aber ach, Amy Poehler.

Offenbar basiert der Film auf Wahrheiten, inklusive der Erinnerung an den tatsächlichen 50. Geburtstag von Rachel Dratch. Dieser ist in fiktiver Form der Grund für ein Zusammentreffen der Frauen, sie wollen sich in Napa Valley für ein Wochenende treffen, das die kurz zuvor entlassene Abby (Poehler) minutiös durchgeplant hat. 

 

Es geht um Frauen in den mittleren, wahlweise besten, Jahren, also. Um Freundschaft, die sich über Jahrzehnte hält, mit Effort und ständig aufgewärmten Geschichten. Um ein tolles Haus, und eine herrliche Landschaft. Klingt nach dem perfekten "guten schlechten" Film, den man nach einem strengen Tag brauchen kann. 

 

Aber ach, Amy. Die gestandenen Komödiantinnen trinken exzessiv und uninformiert Wein, sie kreischen in Restaurants herum und stolpern von Klavieren in Klischees. Die Charaktere bleiben platt und man fühlt sich irgendwie guilty, aber nicht vor pleasure, sondern vor Zeitverschwendung. 

 

Was fehlt: Unsinn. Hirnrissige Details, ein paar herrlich gute Witze, statt Millennial-Verriss (öde), postpubertäre Ehemänner (sehr öde), riesige Weingläser (puh) und Tina Fey als Königin der Platitüden.

 

Wie wärs mit Popkulturanspielungen? Querverweisen auf gemeinsam gespielte Sketches? ("Zero point zero zero!") Und parallel dazu den Versuch, den Charakteren etwas Fleisch anzuvertrauen, mehr als nur Vignetten wie "ich besitze einen Vintageladen in Portland" oder "mein Ehemann ist total stupid und ich merk's nicht einmal." 

 

Und zwei Dinge sind besonders schade: die Perpetuierung des Klischees, dass alle Frauen immer über alle anderen hinter allen verfügbaren Rücken herziehen. Wirkt faul. Und dass mehrere Protagonistinnen damit angeben, wie viel Geld sie gerade für Ramsch aus dem Fenster geschmissen haben. Wirkt falsch und unhöflich. Ach.